Flipper électromécanique ou électronique solid state : Williams Hot Tip 1977, premier solid state de Williams

Elektromechanischer oder elektronischer Flipper (Solid State): Welchen soll man wählen?

Ein elektromechanischer Flipper (EM) arbeitet mit Relais, Spulen und mechanischen Punktezählern: kein Chip, keine Software. Ein elektronischer Flipper — „Solid State“ (SS) genannt — ersetzt diese Relais durch Mikroprozessor-Platinen und digitale Anzeigen. Das Wesentliche zur Wahl: Der EM bietet sichtbare Mechanik, einfaches Spiel und einen Fehler, der sich immer mit dem Multimeter finden lässt; der Solid State bietet schnelleres, tieferes Spiel, echten Sound — und vor allem vollständig austauschbare Platinen. Genau das macht ihn heute zur rationalsten Wahl für einen ersten Vintage-Flipper.

Hier der vollständige Vergleich, mit den tatsächlichen Daten des Übergangs, den Stärken und Schwächen jeder Generation — und der unbequemen Frage: Welcher lässt sich 2026 leichter reparieren?

Inhalt

Elektromechanischer und Solid-State-Flipper: die Definitionen

Der elektromechanische Flipper (EM)

Ein elektromechanischer Flipper ist elektrifiziert, rechnet aber nicht. Die gesamte Spiellogik ist physisch verdrahtet: Schließt die Kugel einen Kontakt, löst sie eine Kaskade von Relais aus — echte elektromagnetische Schalter — die Bumper, Spulen und Zähler ansteuern. Der Punktestand erscheint auf mechanisch drehenden Rollenzählern (Score Reels), die Geräusche stammen von echten Glocken und Chimes.

Das ist die historische Generation: Elektromechanische Flipper machen die Mehrheit aller je gebauten Flipper aus, mit einer Blütezeit von der Nachkriegszeit bis Ende der 1970er-Jahre. Auf einer EM-Maschine — Gottliebs Humpty Dumpty, 1947 — erschienen auch die allerersten vom Spieler gesteuerten Flipperfinger.

Der elektronische Flipper, oder „Solid State“ (SS)

„Solid State“ bedeutet wörtlich „ohne bewegliche Teile“: Der Begriff bezeichnet den Übergang vom Relais zum Transistor. In einem Solid-State-Flipper führt eine MPU-Platine (die Recheneinheit) ein Programm aus, liest die Kontakte des Spielfelds, steuert die Spulen über eine Driver-Platine und zeigt den Punktestand auf digitalen Anzeigen. Eine Soundplatine übernimmt die Effekte, später die Sprachausgabe.

Wenn Sie die Rolle jeder Platine im Detail verstehen möchten, haben wir sie in unserem Leitfaden aufgeschlüsselt: Die Elektronik eines Flippers erklärt: MPU, Driver, Netzteil und Soundplatine.

Williams Hot Tip 1977, der erste elektronische Solid-State-Flipper von Williams, im Vergleich zu einem elektromechanischen Flipper

1976-1979: der Umstieg von EM auf Elektronik

Der Übergang vollzog sich nicht über Nacht, sondern über drei bis vier Jahre — und jeder Hersteller wechselte in seinem eigenen Tempo:

  • 1976 — Mirco, The Spirit of '76. Häufig als erster kommerziell vertriebener Solid-State-Flipper genannt, in sehr kleiner Stückzahl gebaut.
  • Bally — Bow and Arrow in der Solid-State-Version. Bally hat dieses Spiel versuchsweise auf Elektronik umgestellt. Die daraus entstandene MPU-Platine kam anschließend bis 1978 in acht weiteren Maschinen zum Einsatz, darunter Eight Ball — der Flipper, der von 1977 bis 1993 den Verkaufsrekord hielt.
  • 1977 — Williams, Hot Tip. Der erste Serien-Solid-State-Flipper von Williams und Ausgangspunkt des System 3.
  • November 1977 — Gottlieb, Cleopatra. Die erste Maschine des Gottlieb System 1 und der erste Solid State der Marke.
  • Bis 1979 — Gottlieb baut weiter EM. Gottlieb war der Letzte, der die Elektronik übernahm, und der Letzte, der die Elektromechanik aufgab — mit Spielen wie Pinball Pool (Juni 1979), während Bally, Stern und Williams bereits 1977/Anfang 1978 umgestellt hatten.

Mit anderen Worten: Stammt Ihre Maschine von 1976 oder früher, ist es fast sicher ein EM. Zwischen 1977 und 1979 existieren beide Technologien nebeneinander — die Grauzone, in der manche Titel in beiden Versionen vorkommen. Ab 1980 ist alles Solid State.

Vergleichstabelle EM vs. Solid State

KriteriumElektromechanischer Flipper (EM)Elektronischer Flipper (Solid State)
Zeitraum1930er-Jahre → 19791976/1977 → heute
SpiellogikRelais, Kontakte, SchrittschaltwerkeMPU-Platine mit Mikroprozessor + Programm
PunkteanzeigeMechanische RollenDigitale, dann alphanumerische, dann DMD-Anzeigen
SoundGlocken, ChimesElektronische Soundplatine, später Sprachausgabe
Spielfeldneigung (Werkseinstellung)≈ 3°≈ 6,5°
SpieltempoRuhig, langsamere KugelDeutlich schneller und knackiger
RegelnEinfach, sofort verständlichMissionen, Multiballs, steigende Boni
PufferbatterieKeineJa auf den Originalplatinen — und das ist ein Problem
FehlerdiagnoseMit Auge und Multimeter, an der VerkabelungOft von der Maschine geführt (Codes, Selbsttest)
Reparierbarkeit 2026Mechanische Teile einzeln überholenGanze Platine durch ein modernes Modell ersetzbar

Spielgefühl: was sich wirklich ändert

Der konkreteste Unterschied lässt sich in einer Zahl fassen: die Spielfeldneigung. Die Werkseinstellungen sahen etwa 3 Grad bei EM-Tischen vor, gegenüber 6,5 Grad bei Solid-State-Tischen. Die Elektronik erlaubte stärkere Flipperfinger, also eine schnellere Kugel und ein steileres Spielfeld.

Das Ergebnis: Ein EM spielt sich ruhig, fast kontemplativ, mit einem taktilen Vergnügen — dem Klackern der Relais, dem Klingen der Glocken, der drehenden Rolle. Ein Solid State spielt sich nervös, mit mehrschichtigen Regeln: Ziele in bestimmter Reihenfolge, steigende Boni, Multiballs, später vollständige Missionen.

Ein „Besser“ gibt es hier nicht, das ist Geschmackssache. Es gibt allerdings einen objektiven Unterschied: Ein Solid State lässt sich einstellen (Schwierigkeit, Lautstärke, Kugelzahl), ein EM deutlich weniger.

Zuverlässigkeit und Defekte: wer altert besser?

Die Schwächen eines elektromechanischen Flippers

Ein EM fällt nicht „auf einen Schlag“ aus: Er verschleißt. Seine Schwachstellen sind mechanisch und summieren sich mit der Zeit:

  • Kontakte und Relais, die oxidieren, sich verbiegen und dejustieren — es gibt Dutzende davon einzustellen.
  • Schrittschaltwerke und Zähler, die blockieren oder Schritte überspringen.
  • Spulenisolierung, die verhärtet, Stoffverkabelung, die brüchig wird.
  • Lange Standzeiten: Ein jahrelang eingelagerter EM setzt sich fest und oxidiert weit stärker, als er sich beim Spielen abnutzt.

Die gute Nachricht: Nichts ist je wirklich „tot“. Die schlechte: Die Instandsetzung verlangt Geduld, einen Schaltplan und viel Kontaktreinigung. Das ist Uhrmacherarbeit, keine Elektronik.

Die Schwächen eines Solid-State-Flippers

Umgekehrt kann ein Solid State einwandfrei laufen … und von einem Tag auf den anderen nicht mehr starten. Bei Maschinen von 1977-1989 sind die Schuldigen fast immer dieselben:

  • Die auslaufende Pufferbatterie auf der MPU-Platine. Das ist DIE Plage, besonders beim Gottlieb System 80: Der Elektrolyt frisst die Leiterbahnen an, zerstört benachbarte Bauteile und führt zum Speicherverlust (RAM 5101). Wir widmen dem einen eigenen Artikel: Auslaufende Batterie im Flipper: Gefahren, Schäden und die endgültige Lösung.
  • Unzureichende Masseverbindungen („Ground Mods“ sind beim System 80/80B nahezu Pflicht), Quelle von Instabilität und zufälligen Resets.
  • Ermüdete Steckverbinder zwischen den Platinen, die neu gecrimpt werden müssen.
  • Das alternde Netzteil und gerissene Lötstellen.

Durch eine ausgelaufene Batterie korrodierte MPU-Platine eines elektronischen Solid-State-Flippers von Gottlieb

Seien wir ehrlich: Ein schlecht gelagerter Solid State ist elektronisch oft in schlechterem Zustand als ein EM gleichen Alters. Der Unterschied liegt in dem, was danach kommt.

Reparierbarkeit 2026: das entscheidende Argument

Hier entscheidet sich der Vergleich — und zwar nicht dort, wo man es erwartet.

Bei einem EM ist jeder Defekt ein Einzelfall. Ein klemmendes Relais, ein Kontakt, der nicht mehr schließt, ein Zähler, der springt: Man muss ihn finden, verstehen, justieren. Es gibt kein „Wunderteil“, das alles wieder in Ordnung bringt — man überholt die Maschine Stück für Stück.

Bei einem Solid State sitzt der Fehler fast immer auf einer Platine. Und eine Platine lässt sich tauschen. Genau das ist die Logik unserer Produkte: Statt Stunden mit der Reparatur einer korrodierten Originalplatine zu verbringen, setzen Sie eine moderne Ersatzplatine ein — Plug & Play, ohne Löten und ohne Batterie:

Eine wichtige Klarstellung, aus Ehrlichkeit: Eine Ersatzplatine löst elektronische Probleme — korrodierte Platine, tote MPU, durchgebrannter Driver, verlorener Speicher, Resets, fehlerhafte Massen. Sie repariert nicht, was mechanisch ist: eine durchgebrannte Spule, ein verbogener Kontakt, ein totes Gummi oder ein abgenutztes Spielfeld bleiben zu behandeln. Keine Platine der Welt ersetzt eine gründliche Reinigung und eine saubere Einstellung.

Genau deshalb ist ein Solid State heute günstiger instand zu setzen: Der mechanische Teil fällt in beiden Fällen an, während der elektronische — der einschüchterndste — sich mit der richtigen Platine an einem Abend erledigt.

Ihr Solid-State-Flipper startet nicht mehr? Tauschen Sie die Platine, nicht die Maschine.

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Also, welchen wählen?

Wählen Sie einen elektromechanischen Flipper, wenn …

  • Sie das Objekt suchen, die Atmosphäre, das Klackern und den Charme der 60er- und 70er-Jahre.
  • Sie mechanische Arbeit, Schaltpläne und geduldiges Justieren mögen.
  • Sie einfache Regeln wollen, die die ganze Familie sofort versteht.
  • Sie damit leben können, weder Lautstärke noch Schwierigkeit einstellen zu können.

Wählen Sie einen Solid-State-Flipper, wenn …

  • Es Ihr erster Flipper ist und Sie das Risiko eines Elektronikdefekts beherrschen wollen.
  • Sie schnelles Spiel, Sound, Multiballs und Wiederspielwert wollen.
  • Sie das beste Verhältnis von Spaß und Preis suchen: Solid States von 1977-1989 sind die günstigsten Vintage-Maschinen am Markt, vor allem wenn sie „defekt“ verkauft werden — siehe unsere Top 10 der Vintage-Flipper unter 1500 €.
  • Sie selbst reparieren wollen, ohne Elektroniker zu sein.

Ein letzter Punkt, der beim Kauf zählt: Eine Maschine, die als „startet nicht“ angeboten wird, ist deutlich günstiger. Bei einem Solid State ist das oft ein ausgezeichnetes Geschäft, denn der Fehler sitzt häufig auf einer austauschbaren Platine. Bei einem EM kann eine Maschine, die „nichts tut“, Dutzende Stunden Instandsetzung verbergen. Um zu schätzen, was die begehrte Maschine wirklich wert ist, lesen Sie Was ist mein Flipper wert? Wert, Schätzung und Preise nach Modell.

FAQ: elektromechanischer oder Solid-State-Flipper

Was ist der Unterschied zwischen einem elektromechanischen und einem Solid-State-Flipper?

Ein elektromechanischer Flipper steuert das Spiel mit Relais, Kontakten und Rollenzählern: keinerlei Programmierung. Ein Solid-State-Flipper ersetzt diese Relais durch Mikroprozessor-Platinen, mit digitalen Anzeigen und einer Soundplatine. Der Begriff „Solid State“ bezeichnet genau den Übergang vom Relais zum Transistor.

In welchem Jahr wurden Flipper elektronisch?

Der Umstieg fand zwischen 1976 und 1979 statt. The Spirit of '76 von Mirco (1976) wird oft als erster kommerziell vertriebener Solid State genannt; Williams bringt Hot Tip 1977 heraus und Gottlieb Cleopatra im November 1977. Gottlieb, am langsamsten bei der Umstellung, baute bis 1979 elektromechanische Geräte.

Welchen Flipper sollte man als Einsteiger wählen: EM oder Solid State?

Für den ersten Flipper ist ein Solid State von 1977-1989 in der Regel die sicherere Wahl: Das Spiel ist reichhaltiger, die Maschine lässt sich einstellen, und vor allem lässt sich die Hauptfehlerquelle (die Elektronik) durch den Tausch einer Plug-&-Play-Platine beheben. Ein EM bleibt eine ausgezeichnete Wahl, wenn Sie Mechanik lieben und vor allem das Vintage-Objekt suchen.

Ist ein elektromechanischer Flipper zuverlässiger als ein elektronischer?

Nicht ganz: Er ist eher berechenbarer. Ein EM verschleißt allmählich (Kontakte, Relais, Oxidation), statt abrupt auszufallen. Ein Solid State kann schlagartig stehen bleiben, oft wegen einer Pufferbatterie, die auf die MPU-Platine ausgelaufen ist, oder wegen fehlerhafter Massen. Beim Solid State konzentriert sich der Fehler jedoch auf eine austauschbare Platine.

Kann man einen Solid-State-Flipper aus den 80ern noch reparieren?

Ja, und es ist sogar einfacher als früher. Die Originalplatinen (CPU, Driver, Netzteil, Sound) lassen sich durch moderne Platinen ohne Batterie und ohne Löten ersetzen, die die Originalstecker verwenden. Aber Achtung: Das löst die Elektronik, nicht die Mechanik — Spulen, Kontakte und Gummis brauchen weiterhin Pflege.

Ist ein EM-Flipper mehr wert als ein Solid State?

Grundsätzlich weder noch. Der Wert hängt vor allem vom Modell, seiner Seltenheit, seinem Zustand und seiner Marktnotierung ab — nicht von der Generation. In der Praxis sind Solid States aus den späten 70ern und den 80ern oft der günstigste Einstieg in den Vintage-Flipper, während einige sehr begehrte EM hohe Preise erzielen.

Quellen & weiterführende Links

Eine Frage zu Ihrer Maschine? Unser technischer Support ist kostenlos und antwortet auf Französisch.

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